Steiner, ein Flugzeugführerleben, Teil 3

Aus dem Lebenslauf des Fluglehrers und Unteroffizier Erich Steiner,
Jahrgang 1918.


Nach dem Besuch der Volksschule, wo er nach Angaben seiner Schwester immer „erst“ sass, lernte er bei der Ortsansässigen Schreinerei Gaiser & Co. das Schreinerhandwerk. Nicht nur in der Volksschule, auch im Beruf war er sehr begabt. Die einfachen Verhältnisse im Elternhaus erlaubten den Besuch einer höheren Schule nicht, auch wenn der Lehrer diesbezüglich seine Eltern mehrmals ansprach. Seine Mutter, Lina Steiner geb. Digel starb bereits 1931 im Alter von 40 Jahren, sein Vater, der Maurerpolier Wilhelm Steiner verunglückte 1935 bei einem Arbeitsunfall beim Bau der Reutlinger Christuskirche tödlich durch Gase in einer Baugrube. Mit seinem Lehrmeister Karl Ott, ein Kompagnon von Karl Gaiser, hatte Steiner ein freundschaftliches Verhältnis. Es sind mehrere Feldpostbriefe erhalten geblieben. Sein Schulfreund L. W. hat in seinen Fotoalben die Freundschaft zu Erich Steiner in zahlreichen Aufnahmen dokumentiert. Es sind Fotos aus der Lehrzeit, der Hitlerjugend, und aus der Kriegsdienstzeit erhalten. Jedes Foto das Erich Steiner seinem Freund zukommen ließ war auf der Rückseite mit einem lieben Gruß versehen.



25 Jahre alt, wird Erich Steiner am 25 März 1944 in Wannweil
von seinen Kameraden zu Grab getragen.


Es wird keine kleine Beerdigung gewesen sein. Ein Ehrenzug der Wehrmacht aus Reutlingen und der Gesangverein gaben ihm das letzte Geleit. Kränze wurden von der Luftwaffe, der Gemeinde Wannweil, von seinen Kameraden und vom Gesangverein niedergelegt. Seine nächsten Verwandten waren seine Schwestern Lina und Martha sowie sein Großvater Karl Digel. Mann und Bräutigam der Schwestern waren im Feld. Linas Mann Georg, in Stalingrad vermisst, war vielleicht schon tot, seine Frau und die Töchter, fünf und acht Jahre alt, hatten noch Hoffnung. Der Schuljahrgang 1918/19 war kriegsbedingt recht klein, konfirmiert wurden 1931 acht Söhne und fünf Töchter. Christine Steiner, das Wannweiler Original, war eine Tante von Erich Steiner.

Todesanzeige in der Reutlinger Zeitung vom 31.3.1944.

Wannweil, den 28. März 1944
Leidenschaftlicher Kämpfer für sein Vaterland, schon seit seiner Jugend unermüdlich für die Bewegung tätig, starb am 19. März im Alter von 26 Jahren unser lieber Bruder,
Onkel und Schwager
Fluglehrer Erich Steiner, Unteroffizier, den Fliegertod.
In stiller, stolzer Trauer für alle Verwandten:
Die Schwestern: Lina Reichart geb. Steiner mit Gatten (Stalingrad)
mit Kindern Hildegard und Margritta;
Marta Steiner mit Bräutigam Rudi Abraham, Leutnant und Batteriechef z. Zt. Im Osten.
Für die erwiesene Teilnahme sowie alle Kranzspenden danken wir herzlichst.

Anmerkung:

Diese Jahrgänge wurden vom Staat und der Gesellschaft missbraucht. Besonders den jungen Gefallenen, welche keine Chance zur Besinnung mehr bekamen, möchte ich ein ehrendes Andenken bewahren.
Die der jungen Generation heute seltsam anmutenden Formulierungen in der Anzeige waren damals durchaus üblich und sind nicht im übertriebenen Sinne dargestellt. Es waren Floskeln über die vielleicht gar nicht nachgedacht wurden. Erst unsere Generation konnte das Unheil, welches damals hereinbrach annähernd begreifen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

SV 21 Wannweil, der Weg zur I. Amateurliga.

Wannweil und seine 15 Lehenshöfe, der 4. Hof

SV Wannweil, Meister der II. Amateurliga, Gruppe 4 im Spieljahr 1969/70; Zweiter Aufstieg in die Schwarzwald-Bodenseeliga