Schreinergeschichten


Christoph Schneck: „Damals, als der Schreinerschweiß noch billig war.“ (Um 1923)
Christoph Schneck (1906-1978) erzählte mir diese Geschichte, welche sich in seiner Lehrzeit als Schreiner zugetragen hat. Nach dem Krieg übte Schneck seinen erlernten Beruf nicht mehr aus, er ging zur Bahn. Vielen Wannweilern war er bekannt, er führte mit einem Kleinmotorrad mit Anhänger Stückgutsendungen aus. Nicht nur Kühlschränke transportierte er mit seinem Gefährt, manchmal war der Anhänger meterhoch mit Stoffballen oder ähnlichem für die hiesigen Fabriken aufgetürmt.

In einer kleinen, gutgehenden Schreinerei beschäftigte Meister Sauter außer drei Gesellen noch 3 Auszubildende, zu denen man damals noch Lehrbuben sagte. Diese Lehrbuben waren Wilhelm G. Jahrgang 1909, Robert L. und ich. Gerade in dem Augenblick, da unsere Geschichte beginnt, bleibt die Hobelmaschine, der Stolz von Meister Sauter, unter Ächzen und Stöhnen einfach stehen. Keinen Ton mehr gibt die Maschine, welche gerade noch mit Geselle Karl in den höchsten Tönen um die Wette sang, von sich. “Was haben die Lehrbuben jetzt schon wieder angestellt?“ wettert Meister Sauter, als er die Hobelmaschine verstummen hörte. „Euch schlag´ ich's Kreuz ein, ihr Lausbuben, ihr habt bestimmt wieder am Schaltkasten herummontiert.“ Doch alle Bemühungen, den Motor wieder in Gang zu bringen, waren vergebens. Erst als der Motor fürchterlich zu stinken begann, wurde Meister Sauter klar, daß dieser einer gründlichen Überholung bedurfte. Um ja wenig Zeit zu verschwenden, wurde sofort darangegangen, den Motor aus seinem Lager zu schrauben, um ihn mit vereinten Kräften auf das Pritschenwägele zu heben. Wir Lehrlinge, Wilhelm, Robert und ich, wurden nun mit dem Motor ins nahe Tübingen geschickt, jedoch nicht ohne vorher besonders ermahnt zu werden, den Weg durchs Neckartal zu nehmen und ja nicht auf dem Wagen aufzusitzen. Uns drei Stiften kam diese Abwechslung nicht unrecht, konnten wir doch jetzt unsere Faustsäge beiseitestellen, um anderntags wieder an unseren Zwiebelfüßen weiterzuschneiden. Wer von uns drei auf die Idee kam, den Wagen über den Buckel über Kusterdingen zu schieben weiß ich nicht mehr, wir hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun, die schwere Last den Kusterdinger Weg hinaufzuschieben. Wahrscheinlich brachte die Verschnaufpause die wir uns auf der Höhe gönnten, auf den Gedanken, entgegen aller Ermahnungen des Chef und Meisters, doch auf dem Wagen aufzusitzen. Robert hatte schon die Deichsel zwischen die Beine gestellt, solange Wilhelm und ich noch Holzstecken schnitten. Ob schließlich die Bremsstecken zu kurz, die Deichsel zu lang oder die Steige zu grob geschottert war, konnten wir drei im Graben liegenden nicht mehr feststellen. Fest stand, daß der Motor sowie das linke Hinterrad dem Wagen ein gutes Stück vorausgeeilt waren. Das Rad war schnell wieder montiert und als der Motor wieder auf dem Wagen stand machte das Gespann, das langsam und bedächtig gen Tübingen zog, einen ganz ordentlichen Eindruck. Vor allem vor Meister Sauter, welcher mit dem Fahrrad vorausgefahren war und seinen Motor vor der Rampe des Himmelwerks erwartete. Kaum war das Lob über die braven Lehrbuben verklungen, hörte man schon ein grollendes, saftiges Donnerwetter. Hing doch am Haken des Kranes ein halbes Motorgehäuse, aus welchem der lädierte Anker hervorschaute. „Ihr Lausbuben ihr elenden, ihr Spitzbuben, wenn ich jetzt ein Lattenstück dahätte wartet nur bis morgen!“ Wortlos schlichen wir auf dem nächsten Weg nach Hause, jedoch nicht ohne gegenseitigem Versprechen, die Lehrstelle anderntags gemeinsam aufzusuchen. Robert war der Erste, der am Tag danach mit gut gepolstertem Hinterteil bei seinen Kameraden vorsprach. Die Mutter von Wilhelm begrüßte ihn schon von weitem. „Was habt denn ihr wieder angestellt? Der Wilhelm hat heute gar nicht gefrühstückt und hat so verheulte Augen.“ Robert rief mutig: „Auf Wilhelm, wir heulen nicht vor dem Streich“, hatte er doch vorsorglich 3 Hosen angezogen. Das Lattenstück hat dann doch noch gesprochen und nach drei Tagen sang und klang die Hobelmaschine wieder wie früher, wir Stifte konnten wieder auf unserem Hinterteil sitzen und unter den Holzwürmern war wieder Friede eingekehrt.

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