Bahnwärter an der Blaulache

Das Bahnwärterhaus an der Blaulache.
Zwischen Lustnau und Kirchentellinsfurt stand direkt am Wasser der Blaulache das Postenhäuschen Nr. 49. Es wurde 1861 an der damals eingleisig errichteten Bahntrasse erbaut. Beim Bau der vierspurigen Bundesstraße 27 war es im Weg und wurde abgebrochen. Bahnwärter an der Strecke braucht man schon lange nicht mehr.
Der Bahnwärter.
Einer der ersten Bahnwärter, damals ein neuer Beruf, war der Sohn des Kirchentellinsfurter Schmiedes, beide hießen Christoph Ott. Am 19. Juni 1876, einem Montag, war seine Familie im Bahnwärterhäuschen beisammen, seine schwangere Frau mit den 4 Kindern im Alter von eineinhalb bis sechseinhalb Jahren. Gegen Abend kam ein schweres Unwetter auf und Christoph musste wegen dem letzten Zug nach Reutlingen in der Nacht nochmals auf die Strecke. Seine Frau, Elisabetha geb Walz, 30 Jahre alt, wartete lange in dieser Sturmnacht auf den Vater. Er kam nicht mehr zurück, er wurde vom Zug überfahren. 12 Tage später war in Kirchentellinsfurt die Beerdigung. Es wird wohl ein großer Trauerzug den 33-Jährigen Verwandten, Freund, Schulkamerad, Kriegsveteran und Eisenbahner zum Grab begleitet haben.
Nach dem Unfalltod des Bahnwärters kaufte seine Witwe Elisabetha geb. Walz aus Wannweil stammend, ein Bauernhaus im Kirchentellinsfurter Hirschhof und zog darin Ihre Kinder Christian * 1869. Maria * 1872, Pauline * 1873, Christoph * 1874, und Karoline * 1876 auf. Sie lebte bis zu ihrem Tode 1933 im eigenen Haus, welches ihre ledigen Töchtern Pauline und Marie übernommen haben.
Die Familie des Bahnwärters.
Christoph Ott 30.11.1842-19.06.1876, Elisabeth geb. Walz 12.01.1846-06.08.1933, Kinder: Pauline, Christian, Marie. Sohn Christoph war nicht mit beim Fotograf, Tochter Karoline wurde später geboren Vater in Uniform mit Kriegsgedenkmünzen. Der Bahnwärter in Lustnau war als Soldat im Feldzug 1866.
Ein paar Jahre später wohnte eine Familie Lutz in diesem Postenhäuschen. Der Wannweiler Briefträger Wilhelm Lutz, wer ihn kannte wird ihn ein Original nennen, ist auch an der Blaulache aufgewachsen. Diese Familie nannte man noch in der nächsten Generation die "Bloolachers". Beileibe kein Schimpfname, wenn mann dessen Herkunft weiß.

Kommentare

Raimund Vollmer hat gesagt…
Lieber Walter, Deine Geschichten beeindrucken mich mehr und mehr.

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