Vom Holzmachen und Heizen im alten Wannweil

Bei den Holzmachern im Wald, sie fällten Bäume, entasteten sie und bereiteten Meterholz auf.

Es wir so um 1960 gewesen sein, als Karl Nonnenmacher von den "Holzmechern" ein Lichtbild machte. Hiesige Bauern und Fabrikbauern verdienten sich im Winter bei der Gemeinde beim Holzmachen etwas dazu. Heute kommen professionelle Trupps mit modernen Maschinen in den Wald. Links sitzt mit der Pfeife im Mund, der Vollerwerbslandwirt Manfred Wollpert (1931-2005), Emil Wurster (1934-1998) hat einen gelben Bauhelm auf, dahinter steht Karl Raiser aus der Dorfstraße (1905-1985) in der Mitte mit "Schlägerkappe" sitzt Karl Schach (*1931), neben ihm halb verdeckt Paul Brucklacher, "Schulzenpaul" genannt (1926-1996). Hinter Gerhard Kern (1932-2003) mit der roten Pudelmütze steht Wilhelm Hafner, Grießstraße 29. Wer kennt den Mann neben Emil Wurster?

Geschichten vom Holzklau.

Das Meterholz konnte man jedes Jahr über die Gemeinde kaufen. Ob es in Wannweil auch Öfen gab oder noch gibt, in welchen "oms Verecka koi kaufts Holz brenna will" weiß ich nicht. Vor dem Krieg war auch in Wannweil das "Stumpenschießen" Mode. Die nach dem Fällen im Boden verbliebenen Wurzelstöcke wurden von den Bauern angebohrt, mit Schwarzpulver gefüllt und mit Papier verdämmt. Die Zündschnur musste halt lang genug sein, damit der selbsternannte Sprengmeister hinter die nächste dicke Eiche schlupfen konnte. Ich glaube der Förster durfte da nicht im Wald sein. Das gab ein Brennholz das "angehalten" hat. Wer schon Pulver im Haus hat, kommt auf die kuriosesten Ideen. Beim Hansjörg wurde gegen Herbst die Holzbeige kleiner, obwohl er noch gar nicht schürte. Wart, dich krieg ich. Er bohrte die obersten Spächle an, gab etwas Schwarzpulver hinein und wartete. Als nach ein paar Tagen der Häfner zum Nachbarn kam wusste er Bescheid. Hinterlistig fragte: "So Jakob, läßt dein Ofe nui ausmaura, muaßt halt nächst mol besser gucka, mo du dein Holz her nimmst." Der Hansjorg hatte Ruhe und wenn diese Geschichte nicht in Wannweil passierte, dann halt irgendwo anders.


Die Arbeit des Holzspaltens wurde gerne den Jugendlichen aufgegeben.

Dem Schreiner Erich Steiner mit der Axt und seinem Freund Ludwig Weißschuh macht die Arbeit sogar Spass. Die Aufnahme wird um 1937 entstanden sein und befindet sich in Weißschuhs Album. Ein paar Jahre später mussten beide in den Krieg ziehen. Steiner erlebte das Kriegsende nicht, er stürzte mit seinem Flugzeug ab.

Vor dem Haus der Familie Weißschuh in der Jettenburger Straße.

Damals gehörte fast zu jedem Haus ein Holzschopf oder eine "Hütte". Die Wände waren luftig mit Latten vernagelt, damit die darin gebeugten Spächle gut "trickneten". Das hier im Hof liegende Brennholz aus dünnen Ästen war leicht zu spalten. Aus den feinen Ästchen wurden "Grähle" gemacht. Das Wort kommt von grün und bezeichnete sogenannte "Büschele". Wie heißen sie nur auf Hochdeutsch?
Dass die Leute aus dem Reutlinger Oberamt viel Brennholz brauchten können wir der Oberamtsbeschreibung von 1824 entnehmen:
"Die Lebensweise ist in Reutlingen sowohl, als auf dem Lande sehr
einfach. Fleisch und Wein wird wenig genossen; der Kaffee ist in manchen Orten, wie z. B.
in Genkingen, erst durch das Hungerjahr 1817 bekannt geworden, weil er damals für die
wohlfeilste Nahrung galt. Selbst in Reutlingen herrscht noch eine Einfachheit und
Mäßigung der Bedürfnisse in Wohnung, häuslicher Einrichtung, Kleidung und in der
übrigen Lebensart, wie man sie selten anderwärts antrifft. Der einzige Luxus in dem
Oberamt und vorzüglich auf der Alp besteht in einer warmen Stube; fast das ganze Jahr
hindurch wird eingeheitzt, und die größte Wohlthat, welche man den Kranken erzeigen
zu können glaubt, ist eine recht heiße Stube."

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Und "Graehle" machte man auf einem "Graehlesbock" mit einer "Hoab".

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