Küfermeister Friedrich Rilling


Besuch in der Werkstatt des Küfermeisters Frieder Rilling (1903-1991), Sohn des Wilhelm Rilling. Drei Mann stellen in Handarbeit Eichenfässer her. Links Christian Raiser, am Fass der Meister und daneben sein Bruder Paul,1943 in Mühlhausen gefallen. Das Eichenholz für die Fäßer wird im Freien Luftgetrocknet und dazu zu hohen Stapeln aufgeschichtet. Hier sind 4 Männer mit dem stapeln beschäftigt, Metzger Adolf Ebinger (1909-1986)  schaut zu. Die Aufnahmen entstanden um 1935. Damals standen in jedem Keller mehrere Eichenfässer, welche durch den Küfer gepflegt und manchmal auch ersetzt wurden.
Besuch bei Küfermeister Frieder Rilling.
Wannweil, den 17.12.1988
Heute besuchte ich Küfermeister Friedrich Rilling, (15.2.1903-9.4.1991). Ich kannte ihn schon als ich ein kleiner Bub war. Jeden Herbst, kurz vor dem Mosten, holte mein Vater zwei oder drei Mostfässer aus dem Keller, schlug die Kopfreifen ab und putzte mit heißem Wasser und Wurzelbürste die Fässer innen gründlich. Danach bestellte man den Rilling-Frieder zum Einschlagen. Er kam dann mit dem Fahrrad, brachte sein Werkzeug mit und dichtete die Fässer wieder ab. Nachdem sie im Keller wieder auf den Faßlagern lagen, wurde innen eine Schwefelschnitte abgebrannt um das Faßinnere zu desinfizieren. Rilling arbeitete damals beim Wein-Wagner in Reutlingen. Nebenher machte er noch Fässer in seiner Werkstatt in der Brunnenstraße. Gut kann ich mich noch an die Turmhohen Eichenholzstapel vor seiner Werkstatt erinnern.
Küfermeister Frieder Rilling erzählt im Winter 1988:
Wenn ich´s erleben darf, werde ich bald 86 Jahre alt, in diesem Alter lebt man von den Erinnerungen. In der Nacht mache ich immer noch manches Faß, was muß ich im Traum klopfen und hobeln. 1939 ,als ich die Meisterprüfung ablegte, war mein Faß das beste Meisterstück im Land. Obwohl der Niedergang des Küferhandwerks schon zu sehen war, wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Ich war dies meinem Anfang der Dreißiger Jahre verstorbenen Vaters einfach schuldig, ich wollte dessen Arbeit weitermachen. Wannweil sollte doch nicht ohne Küfer sein. In meiner Werkstatt machte ich in reiner Handarbeit Mostfässer für die Bauern. Eine Maschine konnte ich mir nicht leisten, Schulden mochte ich nicht aufnehmen. Das Beispiel eines Kollegen, welcher für die Schulden eines Maschinenkaufes 28 % Zinsen zu bezahlen hatte und diese nicht erarbeiten konnte, schreckten mich ab. Das Eichenholz schnitt ich beim Wagner Sigmund Schall zu, alles Weitere war Handarbeit. Holzabfälle gab es keine, ich hob alles auf, denn aus den kurzen Stücken machte ich im Winter Maurerskübel und Faßtrichter. Die Größe der Fässer wurde zuerst grob ausgerechnet, nach der Fertigstellung mit einem 15 Liter Gefäß geeicht. Ich maß später auch mit der Wasseruhr, diese hat allerdings manchmal falliert. Bei der Bestellung wurde die Größe des Faßes oft in " Emel " angegeben, ein Emel maß 18 Liter, so hieß es vielleicht: Frieder, mach mir ein Faß mit 10 Emel. So wie der Sigmund Schall seine Wagnerarbeiten billig verkaufte, konnte auch ich für meine Küferarbeit nicht das verlangen, was ich eigentlich brauchte. Ich war gezwungen mir nach dem Krieg eine Stelle zu suchen. So kam ich zum Wein-Wagner nach Reutlingen, weg von den Holzarbeiten. Dort hatte ich Wein auszubauen und Flaschen abzufüllen. Nebenher mußte ich im Herbst noch manches Faß im Flecken einschlagen. So verging die Zeit und nun habe ich der feuchten Kellerarbeit beim Wein-Wagner meine steifen Glieder und mein Rheuma zu verdanken.

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