Marokkaner in Wannweil 1945-1946 (X)


Inspektion der Pferde und Maulesel durch den General.


Hier auf dem Wannweiler Sportplatz. Zu der Tierhaltung der Besatzer und Befreier hat Günther Rilling, Jahrgang 1930, aus seiner Erinnerung geschrieben:
"Die Bauern stöhnten unter der Last der Besatzung, denn nicht nur ihre Scheunen waren belagert, die Mulis verzehrten auch das Heu, das für ihr Vieh bestimmt gewesen.“ Des ischt, weil mr amol so an vrruckte Schultes ghet hent, mo aus Wannweil a nazionalsozialischtische Muschtergemeinde gmacht bot“, erklärte mein Chef voll Mitgefühl.
Einer der wenigen, die von der Besatzung profitierten, war der Nachbar Konrad. Schubkarrenweise führte er den Mulimist heran, so daß die Frauen im Hause ganz neidisch wurden und ich an meinen Urlaubstagen ebenfalls diese Abfallprodukte sammeln sollte. Auf der Straße aber war alles festgetreten, und darum brachte ich ebenso viele Steinchen wie Mist heim. Nahte ich einmal einer Wiese, wo die Tiere angebunden waren, so schimpfte der alte Feldschütz Christian Kern: “Jetzt wollet se deane Baure au no de Mischt fortnemme!“
Als ich einmal mit Mutter auf der Eisenbahnstraße an Knoblichs Garten hinter dem Haus vorbeiging, warf gerade der Christian einige Schaufeln voll auf einen Misthaufen, der höher war als er. Seine Wiese war von den Mulis - sie wurden momentan ausgeführt - so zertreten, daß kaum noch ein Hälmchen aufgekommen war. “Do hot's Mischt!“ sagte ich zu Mutter. Sie blieb stehen und rief: “Chrischtian, hoscht koin Wage voll übrig?“ “Hoscht mr du an Wage voll Heu?“ “Noi, aber mir dätet ehn guet zahle.“ “Sel hot koin Wert, i brauch Heu.“
Damit war das Gespräch beendet und wir gingen weiter. Damals galt nämlich als reich, wer viel Heu anstatt viel Geld besaß, während (noch) heute die Redensart gebraucht wird: Der hot Geld wie Heu!"

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