Werkmeistervereinigung Wannweil


Meister und Angestellte der Weberei Schirn und Mittler, Wannweil, Aufnahme Juli 1902

Gestellte Aufnahme im Fabrikhof, Hinter dem Tisch Adolf Leuze, einer der späteren Fabrikanten. Sein Bruder Max Leuze steht links hinter ihm. Links im Bild, im Arbeitsanzug, steht Johann Georg Kern. In Wannweil kannte man ihn als "Schlichter-Hansjörg". Rechts im Bild, der fünfte stehende, ist Webmeister Carl Lumpp.

Werkmeistervereinigung Wannweil, Eintrag im Protokollbuch 1902
Seite 1
Versammlung
Den 30. August bei College Eberhardt zur Krone.
Vorsitzender Frasch eröffnete die Versammlung präzise halb neun Uhr. Zur Sprache kam heute der Herbstausflug. Nach mehrerem Beraten wurde Einsiedel, Dettenhausen, Bebenhausen vorgeschlagen und zwar soll er am 21. September stattfinden mit Break . Darauf ergriff College Eberhardt das Wort, er halte es fürs Beste, da ja gerade nächsten Donnerstag sein Geburtstag sei und er uns erfreuen möchte mit einem Faß Bockbier, halte er es doch für besser, wenn die Collegen vielleicht vollzähliger als heute vertreten sind, es vollends zu regeln. Die Einladung wurde mit Dank entgegengenommen. Hierauf ergriff Vorsitzender Frasch das Wort, betonte den eben angeführten Ausflug und er möchte nur wünschen, daß es dabei bleibe. Hierauf gingen wir zum gemütlichen Teil über.
Vorsitzender Christian Frasch Der Schriftführer Gottlieb Hipp


Seite 2
Ausflug
Wie aus den früheren Protokollen ersichtlich wurde auch diesen Herbst ein Ausflug geplant und zwar Einsiedel, Bebenhausen. Wenn auch nicht wie ausgemacht mit Break, so doch zu Fuß. Es war ein schöner herrlicher Morgen, etwas frisch, als wir nach dem Mittagessen die Heimat heiter uns zurückließen um an dem Ausflug teilzunehmen. Zunächst führte uns der Weg nach Kirchentellinsfurt und ohne Frühschoppen gingen wir die ziemlich steile Schönbuchsteige hinauf, wenn auch hie und da ein Schweißtropfen fiel, es wurde gar nicht darauf geachtet. Denn wenn man einen ziemlich langen Weg vor sich hat, darf man sich nicht säumen. Also, immer vorwärts und schon sind wir oben. Hier ergötzten wir uns an der Kgl. Domäne  aber nicht wie ich glaubte traf ich's hier. Die Birnen standen nur sehr spärlich, mitunter auch ganz selten. Punkt halb ein Uhr kamen wir auf den Hof. Einige Collegen von uns suchten den Weißdorn auf, wieder andere begaben sich unter die Bäume und füllten ihren Magen mit den jetzt reichlich ersichtlichen Birnen. Hierauf kamen wir in den Wald. Es war wirklich ein Pracht Exemplar die schönen Alleen, prächtige Buchen- und Tannenwälder, hier hätte ich am liebsten auf singen mögen:
Wer hat dich du schöner Wald
aufgebaut so hoch da droben
Wohl den Meister muß ich loben
So lang noch mein Ruf erschallt.
Lebe wohl, lebe wohl du schöner Wald
Lebe wohl, lebe wohl du schöner Wald
An der alten Stuttgarter Straße angekommen, betrachteten wir die vielleicht 10 Meter im Wald stehende Zeitungseiche. Es ist dies eine Erinnerung an die gute alte Zeit. Hier ist noch der Rest von einer Türe sichtbar, es wurden hier Zeitungen, Briefe ect. niedergelegt und die Landboten holten´s hier ab  Nun bogen wir ein in das Bebenhäuser Sträßchen und es möchte so circa 40 Minuten dauern, so hatten wir Bebenhausen vor uns. Ziemlich müde begaben wir uns in das erste Gasthaus(Waldhorn) und nahmen in dem geräumigen Nebenzimmer Platz, alsdann wurde der Magen befriedigt. Jetzt aber fängt ein Leben an, möchte nur kurz erinnern an College Mössinger und der Kellnerin bisweilen an College Eberhardt´s fettes Schwein und nur zu rasch verflossen die heiteren, vitale Stunden die wir im Waldhorn verlebten. Nun brachen wir wieder ab um auch noch in Lustnau im Ochsen uns die Zeit vollends genussvoll zu machen. Aber hier kommen wir schlecht an. 5 Minuten sassen wir, da hat uns kein Mensch Gehör geschenkt. Endlich wurden wir entdeckt, von einer alten Kellnerin welche uns dann bediente. Aber nicht lange dauerte es, brachen wir auf, um in der Krone uns die Zeit vollends gemütlich zu machen und richtig, so war es auch. Die liebenswürdige Kronenwirtin wusste es ganz genau uns zu unterhalten und nun erst geht ein Leben an, bald wurde gesungen, bald Scherz gemacht. Aber wenn man mittags nicht fort kommt, ist's gewöhnlich so: kommt man abends nicht heim. So ging es auch heute bei uns, wir hatten uns entschlossen, mit dem Zug 6.04 Uhr wieder heim zu fahren. Jetzt aber ist's 6.10 Uhr. Schnell werden wir einig, die Abendstunden gemütlich miteinander vollends zu vertauschen und so wurde es auch. Präzis 7 Uhr brachen wir ab und unser Weg führte uns nach Tübingen. Vis a vis von der Krone befindet sich ein Specereiladen. Es wurde von einigen Collegen betont, dass der Mann das Erdöl auch nicht umsonst verbrenne und einstimmig wurde er besucht um doch auch die lieben Kleinen im engeren Kreise zu erfreuen. Es gab hier vorzügliche Kartoffeln, wohl ziemlich teuer aber auch gut. Nachdem jeder seinen Bedarf bekommen, mußten wir schnell laufen, um die werten Collegen welche ziemlich vorgeschritten waren, wieder einzuholen. Jetzt brach uns auch noch die Nacht auf den Hals und in rascherem Tempo marschierten wir die noch ziemlich belebte Landstraße durch Tübingen und kamen dann ziemlich vereinzelt in der Wirtschaft zur Steinlachburg an. Hier unterhielten wir uns noch eine Stunde sehr gemütlich. Teils mit Unteroffizier Maier, teils untereinander. Nun ging es auf den Bahnhof um doch auch wieder an das traute Heim zu denken. Kaum am Bahnhof angekommen, fuhr unser Zug herein. Schnell stiegen wir ein und in wenigen Minuten fuhren wir ab. In dem dicht besetzten Wagen nahmen wir Platz (neben) einem Fräulein, welches der Tracht nach eine Ausländerin zu sein schien. College Eberhardt aber mußte es wissen, schnell entschlossen wird nun ein Gespräch angeknüpft und wir hatten nun die schönste Unterhaltung, das Fräulein war nämlich eine Landsmännin von College Eberhard und fuhr diesen Abend weg von Tübingen nach Marseille (Frankreich) wo sie in Dienst ist. Aber jetzt schon gibt die Maschine das Zeichen zur Einfahrt und es ist nur schade, aussteigen zu müssen, denn solche Unterhaltung wird sehr selten angetroffen, wünschten ihr glückliche Reise und stiegen in Kirchentellinsfurt aus. Hier wurde nun abgezählt und das schönste war, daß sämtliche aktiven Collegen auch sämtliche hier waren, während die anderen spurlos verschwanden. Ohne noch wie es sonst üblich bei Restourator Hornung noch ein Glas zu trinken eilten wir schnell der Heimat zu. Oberhalb dem Waldrand biegt nun ein kleiner Fußpfad über die Echaz. Hier machten wir Halt und vierstimmig verabschiedeten wir uns mit dem Lied: "Weh daß wir scheiden müssen" und nun ging jeder, wieder einen gemütlichen Tag erlebt zu haben nach Hause.
Vorsitzender Christian Frasch
Schriftführer Gottlieb Hipp

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