Spinnerei Wannweil - Betriebsausflug 1952

Foto von einem späteren Betriebsausflug


Betriebsausflug Spinnerei & Weberei Wannweil 1952
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Reisebeschreibung
Kurz und gut, klein und: fein.
Wird heute unser Ausflug sein.

6:15 Uhr  Abfahrt In Wannweil, die Fahrt geht in Richtung Tübingen.

Die Universitätsstadt liegt hinter uns und somit auch der Kreis in dem sich für den größten Teil von uns das tägliche Leben abspielt. Diesen Kreis einmal zu verlassen, einmal die Gefolgschaft für einen Tag herauszuführen aus den geschäftlichen Mühen,
aus dem tosenden Krach der vielerlei Maschinen, hat sich die Betriebsführung zur Aufgabe gemacht.  Aus dieser vornehmen Aufgabe resultiert auch dieses Jahr unser heutiger Betriebsausflug, der uns gemeinsam zunächst in das Schwarzwaldstädtchen Wildbad führt.
Noch aber sind wir erst in Tübingen durchgefahren und als erstes bietet sich uns der Blick auf jene Stätte, von der einst der Dichter schrieb " Droben stehet die Kapelle.." Immer und ewig, stolz und erhaben schaut die Wurmlinger Kapelle ins Tal, sie bildet zugleich auch den Schluss unserer heutigen Reise, denn wenn wir drüben auf der Straße überm Berg nach Hause fahren, wenn der Tag zur Neige geht, fahren wir wieder an diesem Kirchlein vorbei und vom Berg herab wird uns das Glöcklein gute Nacht sagen.
Nun aber geht's hinein in den Tag. Einen Wunsch noch vorher, die Sonne möge es gut mit uns meinen, sie sollte einen besondere .warmen Strahl für uns übrig haben, sollte scheinen und lachen, damit wir fröhlich sein ,können - und auch Durst kriegen, trinken täten wir dann selber.
Inzwischen sind wir ein Stück weitergekommen, durch Entringen fahren wir jetzt und unsere Gedanken, sind geschwind hinaufgewandert zum ehemaligen Jagdschloss Hohenentringen. In guten und schlechten Zeiten wird hier empfohlen: Reh-und Hirschbraten mit allerlei würzigen Zutaten,- ( selbst schon mit Tränengas) . Ein schönes lohnendes Ausflugsziel für den Nahverkehr. Heute aber geht unsere Fahrt weiter. Die Reisebekanntschaften für unsere älteren Herrn werden sich in Kay unserem Zuge anschließen. Aber nur keine Bange, es wird sich bald Gelegenheit geben, im eben hinzugekommenen Gäu-Omnibus die Plätze zu wechseln und gemischt wieder aufzufüllen. Über Herrenberg fahren wir weiter in Richtung Calw. Eine kurze Fahrtunterbrechung bei Deckenpfronn wird uns zur Auflockerung der Glieder und zu sonstigen Zwecken dienen. Hier sind wir schon an der Pforte des Schwarzwaldesangekommen und wenn uns der Wettergott gnädig ist, können wir zur Appetitanregung eine Kostprobe von herrlich würziger Schwarzwaldmorgenluft - direkt vom Erzeuger- uns zulegen. Bei dem kurzen Aufenthalt unter dem grünen Blätterdach denken wir an unseren Werkchor, es wäre schade, wenn sich die Männer nicht einig waren, uns hier in des Waldes frischem Duft mit einem Morgengruß zu erfreuen. Sie können sich hier noch nicht so sehr mit der Umgebung beschäftigen denn gleich geht die Fahrt weiter und wir nähern uns Calw. Wenn sie die vielen Autos so plötzlich wirr durcheinander neben der Straße stehen sehen, glauben Sie nicht, es sei hier etwa eine Reparaturwerkstatt, das ist die Automobilfabrik Gutbrod, die ihre neuen Fahrzeuge hier unter freiem Himmel abstellt. Wer möchte hier nichtzugreifen, aber leider, keine Zeit zum Auslesen, na dann auf Wiedersehen, vielleicht im nächsten Jahr.
Mit den Gedanken noch beim neuen Gutbrod, sind wir schon ins Nagoldtal eingefahren und " schlendern " gemütlich durch Calw. Ein kurzes Stück fahren wir talaufwärts und ob wir links oder rechts unsere Augen weiden, hier ist jetzt Schwarzwald,  überall schön, Wasser, Wiesen und Tannen, vielleicht gar eine Mühle am Bach, alles alt, uralt oft und doch so schön. Wenn wir jetzt bergaufwärts fahren, haben wir das Nagoldtal verlassen, es geht über Oberreichenbach und dann wieder hinunter ‚ hinein ins
Enztal mit Calmbach.
Von Calmbach nach Wildbad 4 km, einstweilen können Sie sich zum Aussteigen fertig machen, mit Wildbad ist unser erstes Ziel erreicht.
Aufenthalt ca. 6 Stunden, was jetzt tun und. Treiben? Ich will Ihnen helfen:
Völlig kostenlos, interessant und schön ist ein Rundgang durch die Enzanlagen. Ein einzigartiger Naturpark erstreckt sich enzaufwärts, Terrassen, Wandel- und Trinkhallen machen den angenehmen Aufenthalt reizvoll und kurzweilig.
Für 30 Pf g. ist eine 1ührung durch die Badanstalten der 1(iirhuaar ‚ die Zeit hierfür ist allerdings vorgeschrieben ( 13. - 14.00 Uhr). Sie sehen die vornehm ausgestatteten Bäder direkt am Ursprung des heilsamen Wassers.
70 Pfg. kostet eine Fahrt mit der „Schienendrahtseilbahn“ auf den Sommerberg. In 7 Minuten fahren Sie 800 m und überwinden dabei einen Höhenunterschied von 300 m. Die Bergstation liegt 720 m ü.M. Nur keine Angst, der Wagen hat automatische Bremsen und eine 11-fache Belastungssicherheit. Bei Vorzeigen des Ausweises aus Ihrer Tüte ist der Fahrpreis von DM 1.00 auf DM 0,70 ermäßigt. Der Sommerberg mit Berghotel und Wildpark ist die Große Liebe der Wildbader. Der Berg ist wunderbar angelegt. (Wahrscheinlich auch die Preise). Neben der reizvollen Bergfahrt wird dieser Besuch noch durch die herrliche Aussicht belohnt, ein kurzer Aufenthalt auf dem Sommerberg ist ein reizendes Schwarzwalderlebnis. In nächster Nähe ist Deutschlands höchste Sternwarte untergebracht, wenn Sie die auch noch finden, können Sie bestimmt in den Mond gucken.
Für DM 2.50 steht Ihnen ein Bad am heilsamen Quell in den Kurhäusern zur Verfügung und Sie entsteigen jung und lebensfrisch dem Bad der sprudelnden Quelle. Viel einfacher haben Sie es heute gegen früher als „ Ein angeschoss'ner Eber, der sich die Wunde wusch, voreinst verriet dem Jäger, den Quell in Kluft und Busch."
Gegen ein niederes Eintrittsgeld (?) ist ganz am Ende der Kuranlagen ein Freibad errichtet um. auch der 'Normalwasserschwimmbadfreianlagenbesucher gerecht zu werden. Auch hier können Sie sich wunderbar die Zeit vertreiben. Das also wären die Möglichkeiten zum Zeitvertreib in Wildbad. Vergessen dürfen Sie nicht das Mittagessen um 11.15 Uhr. Zur möglichst geschickten Zeiteinteilung ein Vorschlag:
Nach Ankunft : Fahrt zum Sommerberg.
11.15 Uhr:     Mittagessen
13.00 Uhr:     Führung durch die Bäder, anschließend Bummel durch die Enzanlagen. Machen Sie nun was Ihnen gefällt, eines nur müssen Sie wissen, Abfahrt in Wildbad um 15:00 Uhr und hierzu möglichst aufrecht und geraden Schrittes pünktlich erscheinen. Wohltuend ist jetzt wieder das Sitzen im Auto. Die Fahrt geht über Enzklösterle, dem Ursprung der Enz. Von hier aus wieder bergan zum Höhenluftkurort Simmersfeld. In dieser Gegend sollten Sie möglichst viel und kräftig Luft schnappen, wird hier für Durchreisende zu Reklamezwecken kostenlos abgegeben. Nach Simmersfeld kommt die Abfahrt ins Nagoldtal mit dem schönen Schwarzwaldstädtchen Altensteig. In Altensteig ein kurzer Aufenthalt, aber nur 1/2 Stunde, zu einem kleinen Spaziergang gerade lang genug. Wenn Sie hier wieder pünktlich zurück sind, fahren wir über Nagold, Rottenburg, direkt unserem zweiten Ziel entgegen, nach Bühl. Jawohl, Bühl bei Rottenburg, das hätten Sie wohl nicht gedacht - ich auch nicht. - Aber die Sache ist gar nicht schlecht, wird sind nämlich beinahe zuhause und da können wir umso gemütlicher hinsitzen und das wollen wir auch tun, richtig gemütlich soll es hier werden. Erst wird einmal tüchtig gegessen, (Preis ? kostet nichts) und dann, Spielmann spiel auf, dann kommt ein Tänzchen, ein lustiges Tänzchen in dem schönen großen Saal der Schlossgastwirtschaft. Wenn´s Ihnen zu warm wird, gar kein Problem, Sie setzen sich zur Abkühlung in die Kellerstube (aber keine Selbstbedienung), Sie trinken Bier vom Glas und aus der Flasche. Es gibt auch Wulle, Starkbock oder Exportbier. Auf jeden Fall wird das eine große Sache In diesem Schloss zu Bühl.
Doch auch hier müssen wir einmal ans Heimgehen denken. Die Abfahrt in Bühl von der Betriebsausflugsabschlussabendtanzveranstaltung ist genau pünktlich, bis etwa gegen ??? Uhr (wird noch eingesetzt). Wenn wir hier wegfahren, und Sie nicht gerade der letzte sind, wird Ihnen bestimmt das Lied einfallen :"O wie herbe ist das Scheiden ‚ Oder denken Sie: "Muss i denn zum Städtele hinaus", oder denken Sie was Sie wollen, auf jeden Fall war das heute ein schöner Tag. Inzwischen ist es ja dunkel geworden und wenn es irgend geht, machen Sie keinen unnötigen Krach. Bis wir zuhause ankommen, haben Sie gerade noch Zeit, das Erlebte im Geiste noch einmal nachzudenken. - Da war doch am Anfang jene Kapelle droben am Berg, jetzt sieht man wohl nichts mehr, aber wir sind wieder da, schon vorbeigefahren, schon wieder in der nahen Heimat. Wenn Sie hinauslauschen hören Sie vielleicht das Glöcklein von dem wir heute Morgen sprachen, es wird Ihnen zurufen: schlaf wohl und gute Nacht! Auf Wiedersehen!
Wenn die Maschinen wieder rasseln.

Fehler sind dazu da, dass man sie macht, so auch Druckfehler. Der Druckfehlerteufel ist ein schlimmer Schmarotzer und hat sich zuweilen eingeschlichen. Die Fehler müssen Sie selbst berichtigen, die hierfür verwendete Zeit wird Ihnen vergütet.
Anmeldung des Zeitaufwandes ist in unserer Abt. Lohnbuchhaltung vorzunehmen;
Am Montag den 7.7. 1952 nachmittags von 14.00 bis 13.00 Uhr
Die Auszahlung erfolgt vormittags von 9.00 bis 8:30 Uhr
im Technischen Büro.
15.8.1952.
(Verfasst von Mitarbeiter Helmut Kern)

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