Glaube und Aberglaube - Schweineschlachtung

 Beim Schweinemisten, Pauline Wollpert im Hof des Heinrich Wollpert um 1930
Kleinvieh wie Schweine, Ziegen, Gänse, Hühner hatte damals jeder. Die meisten Häuser waren für Nutzviehhaltung ausgerüstet. Die selbstständigen Handwerker gaben aus Zeitmangel die Milchviehhaltung als erste auf.

Die Schlachtung der Schweine erfolgte meist durch einen Metzger auf dem Bauernhof. Diese Hausschlachtungen sind heute aus hygienischen Gründen nicht mehr erlaubt. Ist der Bauer mit seinem Vieh auch manchmal recht grob umgegangen, so hatte er aber auch großen Respekt beim töten seiner Tiere. Im Hausbuch des Schultheiß Brucklacher fand ich folgenden "Beschwörungsspruch".



Eintrag auf den letzten Seiten:

Vor die Schweine
O Fleisch, O Bluth, O Bein, O du Markschwein
Schwein du so wenig als Gott der Vater,
O Fleisch, O Bluth, O Bein, O du Markschwein
Schwein du so wenig als Gott der Sohn,
O Fleisch, O Bluth, O Bein, O du Markschwein
Schwein du so wenig als Gott der Heilige Geist,
Schwein ich gebiethe dir aus, o Haut aus oder aus Mark und Bein,
Schwein laß dein Nagen und Mögern sein +++
Herr Jesu Amen.

Drey mal hintereinander gesprochen,
der Anfang am Mittwoch oder am Sonntag, ohne gebrafelt
und die drey folgende Tage gebraucht.
Jakob Bauer hat es mir, Johann Georg Brucklacher gesagt.
Wannweil, den 30ten August 1827.

Zu welchem Anlass dieser Spruch verwendet wurde ist mir nicht bekannt.
Wenn jemand ähnliche Sprüche kennt, bitte ich um Nachricht.


Ludwig Uhland dichtete auch ein Metzelsuppenlied
Wir haben heut nach altem Brauch
ein Schweinchen abgeschlachtet;
der ist ein jüdisch ekler Gauch,
wer solch ein Schwein verachtet.
Es lebe zahm und wildes Schwein!
usw.

 
 

 Judith und Pauline Wollpert beim ausmisten. Wannweil 1930

Durch amtliche Vieh- und Volkszählungen ist bekannt, dass das Bauerndorf Wannweil um 1830 aus 75 Hauptgebäuden bestand. 555 Einwohner hielten 20 Schweine, 56 Pferde, 172 Rinder, 200 Schafe, und 9 Ziegen.
100 Jahre später war Wannweil ein Industriedorf mit 412 Hauptgebäuden und 736 Nebengebäuden, die Einwohnerzahl betrug etwa 1800 Seelen. Die Tierhaltung zählte 140 Schweine, 23 Pferde, 465 Rinder, 250 Schafe und 200 Ziegen.
Nochmal 80 Jahre später gibt es im Ort keine Rinderhaltung mehr. Im Verein und privat werden noch etliche Pferde gehalten. Vielleicht noch ein Schwein. Helmut Bader hält noch Schafe und man sieht noch die eine und andere Ziege. Diese Veränderungen wirken sich natürlich auch auf das Grundgeräusch aus. Es war früher von dem wiehern, grunzen, muhen, blöken, meckern krähen der Tiere und dem fluchen der Bauern bestimmt. Heute können schon kleine Kinder das Motorengeräusch verschiedener Land- und Luftfahrzeugen unterscheiden.


Transportgestell für Schweine. 

Zwei oder vier Mann konnten damit ein Schwein transportieren. Dieses Gestell stand 1990 ausrangiert in einer Wannweiler Scheune, kurz nach der Betriebsaufgabe der Landwirtschaft.

Quellen: Zanzinger-Chronik, Hausbuch Brucklacher, Album Wollpert

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