Das Bewässerungssystem

Das Echazwehr am Weg nach Betzingen an der Bahnlinie.
Am Weg entlang wird das Wasser in einer Betonrinne zu den Wiesen im oberen Grieß geleitet.
Welche Bedeutung das wässern hatte wird an dieser Veröffentlichung deutlich.




Amtliche Anzeige im Gemeindebote Wannweil vom 13. Juli 1935




Die jungen Männer sind wohl einem Fest entsprungen. Mit Sträußchen am Revers in der Echaz.

Das Echazwehr befindet sich auf Betzinger Markung. Oberhalb des Wehres steht eine Falle zur Ableitung eines Bewässerungsgrabens. Vorne im Bild ist der nach Wannweil laufende Bewässerungsgraben zu sehen. Er ist als offener Betonkanal ausgeführt.
Ein bedeutendes Zeugnis früherer bäuerlicher Bewirtschaftungsformen sind die Wässerwiesen Die Bewässerung der Wiesen im Echaz-Tal erfolgte noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts über das ausgedehnte Kanalsystem. Die Verteilung des Wassers wurde über verstellbare Fallen geregelt. Die Bewässerung führte zu erheblichen Ertragssteigerungen, verantwortlich dafür waren die im Wasser enthaltenen Nährstoffe. Für die Wannweiler Gemarkung befand sich der Zulauf aus dem Echazbett an dem Wehr oberhalb der Reutlinger Kläranlage zwischen Wannweil und Betzingen. Ein Graben führte das Wasser zu den Wiesen im oberen Grieß.
Die drei jungen Männer sind vielleicht Kameraden von Ludwig Weißschuh, sein Sohn Manfred stellte das Bild zur Verfügung. Besten Dank.


Auch von den kleineren Bächen zweigten Gräben ab.

Der Ebbach wurde an der Stelle des heutigen Feuchtbiotops angezapft. Am abgeleiteten Graben hatte jeder Wiesenbesitzer eine Falle, die er zu bestimmten Zeiten stellen konnte. Das Wasser floss dann über die Wiese, was nicht versickerte suchte sich seinen Weg zurück ins Bachbett.
In der Oberamtsbeschreibung Reutlingen von 1824 steht über die Wannweiler Bäche:

h. Der Fürstbach oder Markgraben. Er kommt aus der Gegend von Omenhausen und von dem Altenburger Hof her, und fließt auf der linken Seite oben am Dorfe |[25]Wannweil ein. Der Bach sammelt sich allmählig ohne sichtbare Quellen, und vertrocknet im Sommer bald. In seinem Bette findet man viele lange zweyschalige Muscheln.

i. der Hebbach, (Eckbach). Sein Ursprung ist bey Mähringen, sein Einfluß auf der linken Seite zu Wannweil, am untern Ende des Dorfs. In denselben gehen der Lumpenbrunnen oder Lumpenbach und der Holbrunn, oder Holbach, welche beyde oberhalb Jetenburg entspringen.




Im Losverfahren wurde das Fallenstellen verteilt.

In den Zeiten des bewässerns wurden die Fallen rund um die Uhr gestellt. Man ließ das Wasser nachts nicht unnötig lange den Bach runter oder dem Nachbarn über die Wiese laufen. Es konnte auch mal eine Zeit um Mitternacht auf dem Los stehen. Zum Glück hatte der Ochsen oder der Adler, von welchem man ja nicht so weit ins Grieß hatte, um diese Zeit noch auf. Vielleicht hatte man auch, natürlich aus Versehen, im vorbeilaufen dem Nachbarn seine Falle etwas zugemacht. Damals konnte man das Sprichwort:"Einem das Wasser abgraben" noch besser deuten.



Loszettel zur Verteilung des Wasserrechts.

Für die jüngere Generation übersetze ich die Sütterlinschrift,
Oben links: Jakob Raiser, Montag abends von 5 bis 7 Uhr, Dornstags Nachts von halb 2 bis 3.
Oben links: Jakob Raiser Wasserrecht Montag mittag von 1 bis 3 Uhr, Freitags morgen von 4 bis 4 Uhr, 1858
Unten: Alt Jakob Raiser und Georg Walz, Bauer, Wasserrecht 1854 Montags Abend von 2 1/2 stellt auf 6, bis 7 Uhr und 1855, 12 Stund bälder, all Jahr Wechsel.


Gemeindebote vom 13. Juli 1935

Das Wiesenwässern war noch 1935 ein normaler Vorgang.


Vergessene Wasserfalle in den Bachwiesen 1981

Diese Wasserfalle, eine "moderne" Ausführung aus Beton, wurde vom Gütlesbesitzer einfach vergessen. Eine Felbe war stärker und wurzelte direkt unter der Falle. Der Graben ist heute noch sichtbar, er bildet auch die Grenze zum Nachbargrundstück.


Die vergessene Wasserfalle im Jahr 2009

Die Reste der Beton-Wasserfalle versinken im Boden. Die Weide ist als faulender Wurzelstock noch erkennbar. Der Verlauf des Wassergrabens ist am Gebüsch noch erkennbar.

Eintrag im Hausbuch des Schultheiß Johann Georg Brucklacher.

Von seinen Nachfahren als Notizbuch für wichtige Einträge verwendet.
Fürsthaldengrieß 
ist groß 29 Ar 49 qm
Wasserrecht 5 Minuten vor 1/2 5 Uhr bis 5 Minuten vor 7 Uhr abends. 1922 2 1/2 Stunden.
Seite aus dem Hausbuch der Familie Brucklacher.

Von 1927 bis 1940 wird das Wasserrecht für den oberen und den unteren Grieß geregelt.
Rechnung für eine Stellfalle.

1940 ließ Christoph Ott von dem Zimmermeister Jakob Gaiser eine Stellfalle für den Bewässerungsgraben an seinen Bachwiesen errichten. 
15 Jahre später, die Falle war nicht mehr in Gebrauch aber noch gut erhalten, spielte ich als Schulerbub an dieser Falle. Der Graben war damals bereits ausgetrocknet.





Kommentare

Peter Weckherlin hat gesagt…
Zu den Wässerwiesen: schön dass überhaupt noch jemand über dieses Thema Bescheid weiss! Bin selber Landwirt, kenne es aus: Ellenberg, 5. Auflage, "Vegetation Mitteleuropas und den Alpen"

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