Ein Hauskauf am 25. Juni 1705



“Johann Georg Wollpert in Wannweil kauft von seinem Vater, Simon Wolpert daselbst, den dem Hospital Reutlingen gehöriges 4teiliges Hof- oder Lehensgut mit 23 Jauchart Äckern, 8½ Mannsmahd Wiesen,1/2 Viertel Garten; gibt 1/4tel der Früchte, Wieszins 3,5 Pfund etc.

Die Kaufsumme verteilt sich wie folgt:
3 Schuldposten mit zusammen 148 Guld. 40 kr.
nachträglich dem Steueramt 42 Guld. 32 kr.
Cassazieler jährlich 8 Gulden, zusammen 285 Guld.
dem Spital 40 Guld. 39 kr.
ferner dem Spital schuldig an rückständigen Früchten:
Kernen, Hafer, Erbsen, Gerste, im Wert von zus.
welche Frucht in Natura zu liefern ist. 99 Guld. 28 kr.
Ferner Reste 56 Guld. 59 kr.
weiter sind abzuziehen, als Heiratsgut für Käufer und seine Schwester je 100 Gulden, zus. 200 Guld.
Der Verkäufer noch bar 15 Guld. 22 kr.
zusammen 888 Gulden 40 kr.

Dazu 2 Zugross,1 Wagen mit Schiff und Geschirr,1 Pflug, Egge usw. Der Verkäufer und seine Hausfrau hat den Sitz im Hause und 1 ihnen beliebiges Mannsmahd Wiesen zugewiesen, erhalten auch zum Unterhalt jährlich 4 Scheffel Dinkel,1 Scheffel Hafer und 4 Simmri Gerste bis auf beider Ableben. Falls sie sich nicht beieinander betragen könnten, soll der Sohn dem Vater eine Stube bauen.

Confirmiert im Rat mit der Bedingung, dass der Verkäufer zuerst alle seine Schuldposten befriedigt, ehe er den Kindern Heiratsgut gibt.”

Es erübrigt sich diesen Zahlen und Aufzeichnungen weitere Worte hinzuzufügen; es genügt aus den vorstehenden Beispielen zu sehen, dass der arme Mann seinen Leben lang schwer gearbeitet hat und im Alter nur Schulden und bittere Not für seinen Lebensabend vor sich sah.


Soweit das Zitat aus der Chronik. Mit nachstehenden Angaben kann man sich noch besser in das Schicksal der Familie hineindenken.
Der Verkäufer Simon Wollpert war 1705 im 56. Lebensjahr, sein Sohn, der Käufer, war 24 Jahre alt und schon 3 Jahre verheiratet. Am 29. Februar 1702 hielt er Hochzeit mit der 22 jährigen Anna Barbara Wandel aus Kusterdingen. Sie gebar ihm am 18. September des Hochzeitjahres eine Tochter, am 19. September war Anna Barbara tot, vier Wochen später folgte ihr das Kind nach. Im Juli 1703 heiratete der junge Witwer Anna Barbara Gaiser, 21 Jahre alt. Sie gebar neun Kinder. Vier Söhne und zwei Töchter heirateten, zwei Buben und ein Mädchen starben im Kindesalter. Seine zweite Anna Barbara durfte 73 Jahre alt werden, Johann Georg, der Bauer starb als angesehener Bürger und Conventrichter mit 65 Jahren. Kurzbeschreibung der Besitzer des Anwesens:
11. Hof
1993 Dorfstraße 28 (früher Haus 68) Immobilien-Kühn (vorher Flaschnerei Eugen Raiser, Brunnenstraße 2, vorher Haus 70, Metzgerei Ebinger
1930 Haus Nr. 68, Martin Wollpert, Jakobs Sohn, Witwe
und Nr. 70, Adam Ebinger, Metzger. Die Frau von Adam Ebinger, Marie Bauer, war eine 4xUrenkeltochter von Johann Georg Wollpert, dem Hauskäufer. Das Anwesen blieb über viele Generationen in Familienbesitz.
1711 Johann Georg Wollpert, vorher Michael Ott, 1538 Hanns Lutzen
Flurnamen: hintere Holzwiesen und Stockacher Halden
Die Fotos zeigen beides mal den laufenden Dorfbrunnen in den 30er Jahren. Einmal umlagert von den Nachbarn in fröhlicher Runde, dahinter das Haus Nr. 70 des Metzgers Ebinger. Auf dem anderen Bild ist die Feuerwehr und die Dorfjugend vor dem Haus Nr. 68 des Martin Wollpert zu sehen. Das aktuelle Foto entstand 2008.

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