Heuernte in den 1930er Jahren
Wannweil um 1930, colorierte Aufnahme .
Die ganze Familie hilft zusammen. Der Älteste und der Jüngste sitzen auf dem Wagen, die Großmutter macht sich nützlich und die Kinder sind stolz, dass sie helfen dürfen. Der Bub hat die wichtige Aufgabe die Kühe ruhig zu halten, dazu hält er die Geisel in der Hand. Es wird der Vater sein, welcher an der Bremse, der "Migge" steht. Auf der Heimfahrt werden dann alle Kinder hoch auf dem Wagen sitzen. Was uns heute als Idyll erscheint, war damals harter Alltag, es war auch eine den Ahnen geschuldete Pflicht. Das häusliche Anwesen mit allem Zubehör, mit den Feldern und Tieren wurde Jahrhunderte lang immer an die nachwachsende Generation weitergegeben. Die hier abgebildeten Kinder werden, wenn überhaupt, nicht mehr mit Kühen aufs Feld fahren. Sie werden erleben, wie die ererbten Felder zu Bauplätzen werden.
Eine Wannweiler Bäuerin Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Frau war die Wirtschafterin des Hofes. Durch die
Realteilung der Erbmasse wurde die landwirtschaftliche Fläche mit der Zeit
immer kleiner. Wer seine Geschwister nicht auszahlen konnte, war gezwungen,
dazuzuverdienen. Die im Jahr 1861 eröffnete Eisenbahnlinie und die Wasserkraft
der Echaz hatten Wannweil zu dieser Zeit bereits verändert: Ab 1870 siedelten
sich große Textilfabriken im Ort an. Viele Familienmitglieder arbeiteten daher
als Tagelöhner oder in der Fabrik, insbesondere in der Spinnerei oder beim „Leuze“,
den größten Arbeitgebern des Dorfes.
Rechtlich war die Frau dem Bauern untergeordnet. Einen
Ruhestand, wie wir ihn heute kennen, gab es nicht. Oft lebten drei Generationen
zusammen im Bauernhaus. Da war die Familie froh, wenn die Großmutter noch
tatkräftig beim Versorgen des Viehs, beim Kochen und bei leichter Feldarbeit
mithelfen konnte.
Die Kleidung war funktional und meist selbst
hergestellt: ein weiter Wollrock mit Mieder, eine große Schürze und ein
Kopftuch gegen Wind und Wetter. Veränderungen an der Art der Kleidung gab es
erst, als die Industrie preiswerte Massenware herstellte. Die ältere Bäuerin
blieb ihrer gewohnten Kleidung jedoch treu.
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