Die Ackergäule des Schäfer-Jakob

 

Bild 2008120516 Sammlung Ott 1940

Nach getaner Arbeit dürfen sie ausruhen. Noch sind sie angespannt und müssen den leeren Wagen noch heimziehen. Es ist nicht weit vom Hof des Bäckermeisters Heinrich Wollpert in den eigenen Stall, wo bald das Zaumzeug abgenommen und das Kummet über den Kopfgestreift wird. Dort bekommen sie die verdiente Portion Hafer und ein Streulager. Der Schäfer-Jakob und seine Ricke, die Schwägerin des Bäckers, trieben eine Landwirtschaft um. Einen Bulldock, wie man die ersten Traktoren nannte, hat ein paar Jahre später, in der Nachkriegszeit, der Sohn Karl angeschafft. Kleinbauern, wie der Bäckermeister, konnten ihre kleinen Feldarbeiten mit dem Kuhfuhrwerk erledigen, oder die Frauen nahmen das Handwägelchen mit aufs Feld zum Rübenhacken. Auf dem Rückweg nahmen sie dann gleich etwas Grünfutter für die Geißen mit heim. Beim Heu heimbringen oder beim Garben aufladen fragte man den Nachbarn oder die Verwandtschaft um Hilfe. Diese konnten den Fuhrlohn sicher gut gebrauchen. Heute brauchen wir keine Ackergäule mehr. Die alten Bezeichnungen und Ausdrücke sind aber erhalten geblieben. Wir Menschen sind manchmal angespannt, wir machen Urlaub um „auszuspannen“, lassen manchmal die Zügel schleifen, tun den Riemen runter oder wenn es ganz schlimm kommt, stehen wir unter einem Joch. Die Redewendung „in den Sielen sterben“ ist ein immer noch verwendetes Synonym und bedeutet, im Dienst der Arbeit zu sterben.

Bild 81104305 Sammlung Walter Ott

Pauline, die etwa 50jährige Frau des Bäckermeisters kommt vom Feld. Auf dem hochgeladenen Handwägelchen sitzt ihr jüngster Sohn Willi, Jahrgang 1919. Ihre 18 Jahre ältere Schwägerin Rosine hilft das Gefährt in die Scheune zu ziehen. Sie trägt ihre Arbeitstracht. Pauline, die Tochter des Schmieds Ludwig Lumpp trug nie eine Tracht, obwohl ihre Mutter eine Ur-Wannweilerin war. Ihr ältester Sohn Karl hat das Foto um 1930 aufgenommen.

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